Kombikredite von Bausparkassen
Die Angebote der Bausparkassen klingen verlockend. Sie bieten Kredite zur Finanzierung von Immobilien mit einer festen Laufzeit und einer über die gesamte Laufzeit vorher sicher definierten monatlichen Belastung. Dahinter steckt die Kombination von zwei Kreditarten. Ein Vorausdarlehen wird mit dem Kredit aus einem Bausparvertrag kombiniert.
Für diese Art der Finanzierung muss noch nicht einmal ein Bausparvertrag vorhanden und angespart sein. Beim Kauf des Eigenheimes oder der Wohnung wird ein Vorausdarlehen über die gesamte Finanzierungssumme für das Eigenheim oder die Wohnung ausgezahlt. Gleichzeitig wird ein Bausparvertrag abgeschlossen. Die monatliche Belastung für den Kredit setzt sich nun aus zwei Teilen zusammen. Einerseits werden Zinsen für das Vorausdarlehen fällig, andererseits muss der Bausparvertrag mit regelmäßigen Raten angespart werden. Wenn der Bausparvertrag nun nach etlichen Jahren zuteilungsreif ist, wird damit das Vorausdarlehen abgelöst. Das heißt, die angesparte Bausparsumme tilgt einen Teil vom Kredit, für den Rest wird das Bauspardarlehen in Anspruch genommen. Dafür hat man mit dem Bausparvertrag ja ein Anrecht erworben. Das gute ist, dass dieses Bauspardarlehen ein Kredit ist, für den beim Abschluss der Finanzierung der Zinssatz schon feststeht. Für den Rest der vereinbarten Finanzierungszeit wird nun das Bauspardarlehen getilgt. Auch bei der Bausparkasse gibt es natürlich keinen Kredit ohne Schufa. Bonität und Sicherheiten werden hier genauso vorausgesetzt, wie bei der Bank.
Dieses Finanzierungsmodell klingt zunächst einmal genial. Denn der Zinssatz steht von Anfang bis Ende fest. Die normalen Kredite der Banken bieten ja nur eine Zinsbindung für einen festgelegten Zeitraum, meistens 10 Jahre, höchstens 15 Jahre. Danach muss zu dem dann gültigen Zinssatz eine Anschlusskredit in Anspruch genommen, also ein neuer Vertrag abgeschlossen werden.
Damit ist das Modell der Bausparkassen vor allem etwas für Leute, die höchsten Wert auf Sicherheit und Planbarkeit legen. Denn es handelt sich nicht unbedingt um einen günstigen Kredit. In den ersten Jahren, bis der Bausparvertrag zuteilungsreif wird, werden nämlich nur Zinsen gezahlt, kein Euro geht in die Tilgung, die Höhe der Schuld bleibt also über Jahre unverändert. Beim normalen Annuitätendarlehen, also dem Kredit der Bank, wird vom ersten Monat an ein Teil der Schuld getilgt. Die Höhe der Schuld nimmt also immer weiter ab, wenn auch nur in sehr kleinen Schritten.
Wer sich für die Kredite der Bausparkasse interessiert, sollte außerdem sehr genau nachrechnen. Es handelt sich ja eigentlich um zwei unterschiedliche Kredite, das Vorausdarlehen und den Bausparkredit. Beide haben unterschiedliche Zinssätze und unterschiedliche Gebühren und Konditionen. Das wird aus den Angeboten aber nicht immer deutlich. Wer nur auf den Effektivzins im Angebot schaut, erfährt oft nur die halbe Wahrheit. Um einen reellen Vergleich mit dem Annuitätendarlehen der Hausbank anstellen zu können, muss man alle Kosten berücksichtigen. Das geht am besten mit einem vollständigen Zins- und Tilgungsplan für die gesamte Laufzeit der Finanzierung. Darin sind dann wirklich alle Kosten für den Kredit enthalten. Natürlich bleibt die Unsicherheit, was mit dem Bankkredit nach Ende der Zinsbindungsfrist wird. Das kann niemand sicher vorhersagen. Aber bis es so weit ist, hat man bei der Bank schon einen guten Teil des Kredites getilgt. Bei der Bausparkasse steht nach dieser Zeit gewöhnlich noch die Schuld in voller Höhe auf dem Konto.
Es gibt natürlich auch Mischmodelle. Man kann parallel zum Annuitätendarlehen der Bank einen Bausparvertrag Ansparen. Damit ist es dann möglich, nach dem Auslaufen der Zinsbindung einen Teil mit dem Bausparvertrag zu tilgen und für den Rest der verbliebenen Schuld das Bauspardarlehen in Anspruch zu nehmen. Für diesen Kredit steht der Zinssatz ja wiederum fest.
Für welche Form man sich auch entscheidet, wer ein Eigenheim finanzieren will, sollte die Angebot für Kredite und die unterschiedlichen Finanzierungsmodelle sehr genau vergleichen. Und man sollte bei den Beratern von Banken und Bausparkassen ruhig nachhaken, nach versteckten Kosten fragen und zu Hause alle noch einmal ganz genau nachrechnen.


